ich  sw.jpg

Christiane Dessecker

@christianedessecker
@daskleinehausderkunst

change of values 

Das Projekt „change of values“ ist ein Mitzeichnen und Dokumentieren der Coronapandemie als historisches Ereignis in künstlerischer Form. Die entstandenen Werke kreisen um die Themen Wert(e) und Verbundenheit. Die Coronapandemie zeigt in eindrücklicher Weise, wie alles zueinander in Bezug steht: Länder, Menschen, Gesellschaften und die Natur. Mit diesen Verbindungen beschäftigt sich die Arbeit linking. In wertvoll anmutender Goldstickerei entstehen pflanzen-,  tier- und menschenartige Gebilde, die über den gesamten Erdball mäandern. Lösen sich an einer Stelle des Bildes Fäden, so hat dies Auswirkungen auf das große Ganze. Was an einem Ende der Welt geschieht, kann weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Planeten haben.

Die Zeichnung „Spreading mit unterschiedlichen Härtegraden“, von der zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss ist, wann und ob sie ein Ende finden wird, begann 2020 mit einem kaum sichtbaren winzig kleinen Strich. Inzwischen haben sich unzählbar viele Striche zu einem riesigen gezeichneten Teppich aneinandergefügt. In diesem lassen sich, wie in Wolkenbildern, Andeutungen von Figürlichem erkennen. Hier der Kopf eines Tieres, dort eine Blume, an anderen Stellen scheinen menschliche Hände aus den Naturgebilden hervorzuwachsen. Ein Meer von entstehenden und vergehenden organischen Formen, welche durch feinste Abstufungen von Tonwerten zu Stande kommen. Zeichnend werden die Coronafallzahlen in Bilder und neue Bedeutungen überführt.

Die Serie „Das feine Blatt“ spielt mit dem Thema Wert, indem einzelne Blätter Toilettenpapier in zeitaufwendiger Arbeit mit Goldstickerei versehen, gerahmt und damit zum Kunstwerk erhoben werden. Wie viel ist ein Stück Toilettenpapier auf dem Kunstmarkt wert? Die Blätter erinnern an die während der Coronapandemie aufgetretenen Hamsterkäufe und fragen damit nach menschlichem Handeln und den Werten, welche diesem zu Grunde liegen. Kunsthistorisch lassen sich sowohl Bezüge zu Mustertüchern des Mittelalters als auch zu Mustertüchern, die um 1900 gefertigt wurden und den damit verbundenen Wertvorstellungen herstellen. Im Mittelalter war die Stickerei eine Hochkunst, deren Kunstschätze von Frauen und Männern gleichmaßen geschaffen wurden. Ab 1900 waren gestickte Mustertücher dagegen vor allem ein Beweis weiblichen Könnens, mit welchem Hausfrauen ihren Wert zum Ausdruck brachten und definierten.